Hier mal eine Retrospektive…der Tag unserer Entlassung war soooo voll. Und ermüdend. Und Aufregend. Und und und.

6:00 Uhr Hunger beim Herzkind, Flasche geben, Milch pumpen, anziehen, packen, Bett zusammenklappen.

Feststellen, dass es kein Frühstück mehr gibt für mich ???‍♀️

8:00 Treffen unseres Lieblingsarztes auf dem Flur. Ich verabschiede uns und spreche ihm zum 1000 Mal meinen Dank aus für das mehrfache „Lebenretten“ des Herzkindes. Und er erwidert mit ein Dank an uns. Ich schaue ihn fragend an. Und er meinte, dass er oft in und nach kritischen Situationen Schuldfragen diskutieren müsse, die zu nichts führen. Wir hätten eher lösungsorientiert gedacht und gefragt. Das hätte ihm und seinem Team die Arbeit erleichtert. So hatte ich das noch gar nicht gesehen. Aber wir waren uns schon die ganze Zeit bewusst, dass ein „abwarten und nichts tun“ nicht funktioniert hätte. Dann wäre das Herzkind heute nicht bei uns und würde nicht hier auf meinem Arm schnarchen. ?

9:30 letzte Visite, ich bedanke mich noch mal bei allen. Und ich meine es echt so. Ich habe hier in allen Abteilungen überwiegend fachlich kompetente und emphatische Menschen getroffen. Wenn man so hilflos neben seinem Kind sitzt hilft es enorm, es auch dann in guten Händen zu wissen, wenn man mal die Station verlässt und das Kind dort zurück lässt! ♥️

10:00 Uhr wird die Sonde gezogen und ich sehe mein Baby das erste Mal seit der Geburt ohne Pflaster im Gesicht! Und die schiefe Nase ist immernoch da ? dann gibt’s die nächste Mahlzeit fürs Herzkind…die Zeit verfliegt und zieht sich trotzdem wie Gummi ??‍♀️

Oma und Opa treffen im Ronald McDonald Haus ein und unterstützen den Papa. Da muss noch gepackt und geputzt werden. Das mit einer Dreijährigen, wäre echt zu viel gewesen. Also spielen Oma und Opa und bieten zusätzlichen Stauraum im Kofferraum. ??

Dann noch eine Stipp-Visite des Case Management. Der Bunte Kreis würde sich bei uns melden. (https://www.bunterkreis-Aachen.de) Der Bunte Kreis begleitet Familien bei dem oft sehr schwierigen Übergang von der stationären Behandlung zum Alltag zuhause.

Dann endlich der „Abschieds-Ultraschall“ vom Herz, Brustkorb und Schädel. Der kleine Kämpfer ist so müde, er pennt unter der Wärmelampe ein. Für ihn ist der Ultraschall anscheinend eine Wellness-Behandlung. Nur an der Taille berührt zuckt er zusammen. Bestimmt ist er da kitzelig ??

13:30 Uhr ein Abschieds-EKG. Noch mal ganz viele Pinöppel kleben und Papier mit zackigen Linien vollschreiben. Das Highlight ist der Schluss: die Klebe-Pinöppel müssen wieder ab. ?

14:00 Uhr habe ich Medikamententraining bei Schwester Eva. Ich bekomme beide Kapseln auf, die sie mir reicht, ohne eine Koks-Spur auf der Arbeitsplatte zu ziehen und werde als „geeignet“ entlassen ?

14:30 Noch ein letztes Mal Milch pumpen, noch mal Füttern, noch mal Wickeln. Ich will bereit sein, wenn der Arztbrief kommt! Und dabei zuppeln wir auch die letzten Kabel ab: die Elektroden fürs Monitoring!

15:45 Uhr Der Papa hat sich mit der großen Schwester auf dem Spielplatz in der 7. Etage eingefunden. Ich schnappe mir den kleinen Bruder und gehe ins Material-Lager der Station. Das hat ein Fenster zum Spielplatz. Da sieht die kleine Große zum ersten Mal ihren Bruder durchs Fenster! Sie wirkt aber mehr als verhalten – Begeisterung geht anders. ? Aber sie wartet jetzt seit Dezember auf etwas, dass sie nicht einschätzen kann. Und nun ist dieses etwas einfach auf Mamas Arm?

Hinter mir Schritte. Die Stationsärztin sucht mich. Sie hätte den Arztbrief an die Pflegerin übergeben, damit diese uns für eine Woche die Medikamente zusammenzustellen kann. Der Arztbrief hat über 14 Seiten. Dazu muss ich unbedingt auch noch mal einen Post schreiben ?

Die Ärztin erklärt mir noch, was in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten für Checks zu machen sind. Es stellt sich heraus, dass wegen des Herzfehlers und des Darms eigentlich fast keine Checks zu machen sind. Aber der kleine Kämpfer hat Auffälligkeiten im Schädel-Sono gezeigt, die weiter verfolgt werden müssen. Und dann ist da ja noch das MRT Ergebnis. ?

16:00 Uhr. Endlich raus! Auf dem Gang vor der Station trifft die große Schwester nun wirklich endlich auf ihren Bruder! Aber man merkt, das alles ist zu komisch. Das Krankenhaus. Mama und Papa mit Maske. Fremde Menschen. Wir beschließen schnell die Biege zu machen!

16:15 Uhr. Mit Sack und Pack im Auto geht’s nach Hause, Oma und Opa schon vorgefahren! Beide Kinder schlafen erschöpft ein auf der Fahrt.

17:45 Uhr Ankunft mit ein paar Tränen. Ich dachte ich heule durch, aber keine Zeit. Es ist Medikamenten-Zeit, Fütter-Zeit, Abendessen-Zeit und mein Hirn rattert schon wieder los…

Oma und Opa haben die Haustür geschmückt, die Schwägerin hat gebastelt. Und endlich sehen auch sie das erste Mal ihren neuen Enkel! Wenn man bedenkt, dass die große Schwester nach ca. 12 Stunden besucht wurde, sind 5 Wochen echt echt lang!

18:00 Uhr. Im heimischen Esszimmer angekommen, traut sich die große Schwester den Bruder zu streicheln. „Mama mit dir!“ und seitdem hat sie eigentlich nicht mehr aufgehört ihn zu streicheln. ?

Die erste Medikamentengabe, bekommen wir problemlos rein ins Kind. Puh.

19:00 Uhr. Jetzt ist es schon echt spät fürs Abendessen. Aber das bekommen wir trotzdem hin. Und endlich sitzt die Große mal wieder auf einem eigenen Stuhl. Nach 7 Wochen! Die Zeit unserer „versprengten“ Familiensituation hat sie nur bei Mama oder Papa auf dem Schoß gegessen. (Und auch tagsüber geschnullert oder an den Fingern gesaugt.) Auch sie hatte Stress…

Noch ein bisschen spielen, dann bringe ich die große Schwester ins Bett, die Männer chillen auf dem Sofa.

23:00 Uhr: der Papa weckt mich. Mit einer Hand bekommt man die Kapseln fürs Herzkind nicht auf. Ach. ? Wir machen eine Fütter- und Milch-Pump-Planung für die Nacht.

Der Papa gibt das Fläschchen und ich räume ein wenig auf und bereite die Medikamente für den Morgen vor. Handle mir damit direkt Ärger beim Haus-Chemiker ein, nicht zu viel vorzubereiten. „Claudia, das sedimentiert doch wieder!“ ? aber Spoiler: mit Baby auf dem Arm, bekommt man die Kapseln wirklich nicht auf, aber eine Spritze geschüttelt! ??

Ich richte noch Pump-Sachen und Flaschen für die Nacht. Zum Glück hatte ich im Ronald McDonald Haus noch genug sterilisiert.

0:30 Uhr geht’s endlich Richtung Bett. Und um 2:30 meldet der Wecker: Pumpzeit! ??

Müüüüüdeeee!

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